Heidruns Wohlfühltagebuch
Meine Name ist Heidrun, ich bin 32 Jahre alt, 1,70 m groß und wiege im Moment glückliche 68 kg.
Meine Diät-Karriere ist lang, angefangen hat sie mit 14 Jahren bei den Weight Watchers und hat seit dem nie wieder aufgehört. Mit 23 hatte ich mich dann auf ein Gewicht von 98,8 kg "diätet". An diesem Morgen auf der Waage habe ich geschworen, wenn die Waage über 100 kg geht, erschieß ich mich. Da ich viel zu gerne lebe, habe ich mich in 8 Monaten auf 67,8 kg gehungert, sah aus wie der Tod und fühlte mich auch so. Mit der Zeit nahm ich dann wieder auf 87 kg zu und da kämpfe ich seit 8 Jahren um mein Wohlbefinden. Eine Woche Diät, eine Woche Fresssucht, 2 kg rauf, 2 kg runter, immer weiter ohne Aussicht auf Erfolg.
Im Mai diesen Jahres habe ich den Kontakt zu einer alten Schulfreundin wieder aufgenommen, die ich seit mindestens 10 Jahren nicht mehr gesehen hatte, für den 06.07. hat sie mich auf ihre Hochzeit eingeladen. Der erste Gedanke war natürlich: Bis dahin muss ich noch abnehmen, mindestens 5 kg. Geklappt hat das natürlich nicht, ich bin mit meinem Kampfgewicht von 86,8 kg zu ihrer Hochzeit gefahren. Es war schön, sie wiederzusehen, sie hat immernoch die gleichen Model-Maße wie früher und sie hat mir glaubhaft versichert, ich sähe toll aus. Das hat mir gut getan und ich habe mich seit langem wieder mal wohl gefühlt in meiner Haut.
Als ich wieder zu Hause war, habe ich einen Entschluss gefasst: NIE WIEDER DIÄT!
Ich bin nunmal kein Model und wenn ich nicht schlank sein kann, dann will ich eben mit dem was ich habe gut und gesund aussehen und fit sein. Ich habe mir ein Tagebuch genommen, habe auf die erste Seite "Wohlfühltagebuch" geschrieben und habe angefangen jeden Tag reinzuschreiben wie es mir geht, wie ich mich fühle, was ich esse und natürlich auch was ich wiege. Dann ging alles von selbst, ich habe angefangen zu walken, mich beim Betriebssport zur Fitness-Gruppe angemeldet und einfach angefangen mich wohl zu fühlen. Mit dem Sport fing ich dann auch an mir über mein Essen Gedanken zu machen, so nach dem Motto, heute bist Du 40 min. gewalkt, wenn Du jetzt Currywurst mit Fritten isst, war das alles um sonst und so ging es weiter. Ich habe meine Ernährung umgestellt so ganz ohne Diätgedanken, sondern einfach um mich wohler zu fühlen und nicht mehr der nasse Sack auf dem Sofa zu sein, der sich abends mit letzter Kraft ins Bett schleppt.
Und ganz nebenbei habe ich 18,8 kg abgenommen. Ich kann es immernoch selber nicht so ganz glauben und immer wenn ich an einem Spiegel vorbeikomme, bin ich selber ganz erstaunt.
Ich hoffe inständig, dass ich nicht irgendwann wieder in die alten Verhaltensmuster falle und wieder träge und faul durchs Leben gehen muss. Das macht mir ein bisschen Angst, aber ich werd's schon schaffen!
Lieben Gruß an alle Leser
Eure Heidrun am 19.04.03
Wenn ich meinen Beitrag vom 19.04. lese kommen mir die Tränen, so voller Zuversicht und Glück bin
ich schon lange nicht mehr, ich wäre es aber zu gerne einmal wieder.
Damals war ich in dem festen Glauben, dass ich was gelernt habe, dass ich
nicht einem Schönheitsideal nachjage und ich nur schlank geworden bin, weil ich
kapiert habe, dass man sich gesund ernähren muss und Sport treiben muss,
damit man sich wohl fühlt. Dieser Überzeugung bin ich nach wie vor, nur ist mir
der Weg abhanden gekommen.
Der Abstieg fing damit an, dass ich mit meinen 68 kg immernoch nicht
zufrieden war. Ich wollte unbedingt 63 kg haben. Warum? Ich weiß es nicht! Ich habe
(hatte) Kleidergröße 40, stand mit einem Lächeln vor dem Spiegel, habe in
Umkleidekabinen gestanden mit Freudentränen in den Augen, war rundum glücklich.
Trotz allem wollte ich einen BMI von 22,5, die goldene Mitte beim
Normalgewicht. Diese Zahl ist totaler Schwachsinn, aber ich wollte sie erreichen.
Ich habe so weitergelebt wie bisher, nicht mehr und nicht weniger gegessen,
nicht mehr und nicht weniger Sport gemacht. Trotzdem habe ich kein weiteres
Gramm mehr abgenommen. Der Frust fing wieder an!
Was dann kam, war klar und Jeder kann es sich denken: Ich habe "falsch"
gegessen, plötzliches Verlangen nach Gyros, Pommes, Chips usw. Die Gedanken nach
gesunder Ernährung und wohl fühlen wie weg geblasen, neuer Lieblingsgedanke:
"Man muss sich auch mal was gönnen!" Nur, dass das "mal" zu "häufig" wurde.
Die Waage zeigte täglich mehr Gewicht, ich stieg frustriert herunter, sagte
mir, das wird schon wieder und ging zum Kühlschrank. Meine Kreislaufprobleme
fingen wieder an, ich bekam Pickel, meine Knie schmerzten wie nie zuvor. Meine
Kopfschmerzen wurden wieder häufiger und ich war ein jämmerlicher Anblick.
Im August kam dann das, was wirklich alles zunichte machte. Ich fiel beim
Treppe runtergehen und riss mir die beiden Außenbänder im rechten Fuß. Sechs
Wochen keinen Sport! Nicht dass ich vorher noch besonders viel Sport getrieben
hätte, aber nun konnte ich nicht mehr, selbst wenn ich gewollt hätte. Das
brach mit total den Hals und was gab' es als Frustausgleich? Essen!
Mitte September dann die Schiene runter und ich durfte mich wieder bewegen.
Zur gleichen Zeit Urlaub in Spanien mit Vollpension. Da ich mich ja wieder
bewegen konnte, durfte ich ja auch mehr essen. Haha! Vorher hatte ich schon für
zwei gegessen und damit aß ich dann für drei. Während des Urlaubs wurden mir
meine Klamotten zu eng, ich konnte nur noch die Hälfte der Sachen anziehen,
jeden Morgen neuer Frust. Eine Hose, die ich mir für den Urlaub gekauft hatte
und noch nie vorher getragen worden war, ging nicht mehr zu. Trotzdem habe
ich immer mehr gegessen. Nach dem Urlaub auf die Waage: 74,5 kg!!!
Mein Wohlfühltagebuch habe ich aufgegeben, zu frustrierend!!!
Meinen Sport mache ich nur noch halbherzig bis gar nicht, bringt ja eh
nichts bei der Ernährung!!!
Mein aktuelles Gewicht: 77 kg!!!
Mein Gemütszustand: Jämmerlich!!!
Mein Gesundheitszustand: Beschämend!!!
Ich bin wieder da, wo ich angefangen habe, zwar noch 9 kg leichter als
zuvor, aber bestimmt nicht mehr lange!
Im Moment lebe ich von Tag zu Tag und bin froh über jeden, der nicht mit
einem Fressanfall endet.
Liebe Grüße
Heidrun am 12.01.03
P.S.: Sollte es jemand schaffen, mir mit einer Mail wieder Mut zu machen,
wäre ich ihm ewig dankbar!
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